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Foto-Rückblick: 25 Jahre Kindertagespflege in Sachsen

09 . März 2017

 

Seit 25 Jahren bieten die ersten Tagesmütter und Tagesväter in Sachsen ihre professionelle, individuelle und familiennahe Betreuung an. Das war Anlass für eine Jubiläumsveranstaltung in Sachsen, die durch die IKS organisiert wurde. Mehr als 70 Gäste, darunter Kindertagespflegepersonen, Fachberater(innen) sowie Personen aus Politik und den Ministerien waren zur Festveranstaltung im Daetz-Centrum in Lichtenstein zu Gast.


v.l.n.r.: Lothar Bienst, MdL; Brunhild Kurth, Kultusministerin des Freistaates Sachsen; Ines Springer, MdL; Simone Kühnert, IKS; Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen. Fotos: Claudia Schmidt, © Ines Springer).

Die Eröffnung:

Den Tag eröffnete der Hausherr, der Bürgermeister der Stadt Lichtenstein, Thomas Nordheim. Er betonte den Stellenwert der individuellen Betreuungsform im Sinne der Wahlfreiheit. Seine eigenen Kinder sind von der Jubilarin vor Ort in Lichtenstein, der Tagesmutter Dorothea Fritzsche, betreut worden. Durch seine persönlichen Erfahrungen kennt es das System Kindertagespflege sehr gut.


v.l.n.r.: Thomas Nordheim, Bürgermeister der Stadt Lichtenstein; Brunhild Kurth, Kultusministerin des Freistaates Sachsen  (Fotos: Sebastian Steger)

Die Grußworte:

Danach ergriff die sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth das Wort: „Tageseltern leisten einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bieten Eltern eine familiennahe und gleichwertige Betreuungsform zur Krippe an. Sie sind zudem eine wichtige Stütze bei der Umsetzung des Rechtsanspruches auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr.“ Die Ministerin betonte den Wunsch, dass sich zwischen Kita und Kindertagespflege Kooperationen, gegenseitige Achtung und Wertschätzung  entwickelt. Sie hob weiterhin die hohe Motivation und die überdurchschnittliche Motivation der Tageseltern zur Weiterbildung hervor. Als Perspektive zur Weiterentwicklung sah sie die Betreuung von Kindern bis hin zum Schuleintritt. Als besonderes Anliegen forderte Brunhild Kurth die Kommunen auf, in jeder Region ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot entsprechend des Wunsch- und Wahlrechtes der Eltern zu etablieren. Abschließend stellte die Ministerin den landesweiten Aktionstag für die Kindertagespflege am 25. April 2017 vor und rief zur umfangreichen Beteiligung auf. Sie übernimmt für den Aktionstag sehr gerne die  Schirmherrschaft.

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, gratulierte den ersten Tagesmüttern herzlich für Ihr Engagement. Sie haben die ersten Grundsteine für die Betreuung in der Kindertagespflege in Sachsen gelegt. In seiner Präsentation blickte er auf die Anfänge der IKS, die in der ersten Fachtagung die Kindertagespflege 2009 noch hinter einer undurchsichtigen Mauer versteckte. Inzwischen wurde durch die IKS so mancher Baustein herausgezogen. Es gelingt zunehmend in der Öffentlichkeit klar aufzuzeigen, welche Qualität in der Kindertagespflege steckt. Dazu skizzierte er einige Meilensteine in der Entwicklung der Fachstelle und stellte die neueste Publikation vor: Der Falt-Flyer „Schön gehört? Kindertagespflege in Sachsen ist eine echte Alternative!“ richtet sich an die Zielgruppe junge und werdende Eltern und zeigt die Vorteile der Kindertagespflege auf. Sie können sich den Flyer hier downloaden, ansehen und verbreiten.


Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, stellt die neueste Publikation der IKS vor, links mit Unterstützung von Ben, einem Tageskind von Dorothea Fritzsche. (Fotos: Fotos: Claudia Schmidt, © Ines Springer, Sebastian Steger)

Rückblick: Die Anfänge in der Kindertagespflege aus Sicht der Tagesmütter

Im Interview mit fünf der dienstältesten Tagesmütter in Sachsen: Hannelore Lachmann begann bereits zu DDR-Zeiten als „Kinderfrau“ mit ihrer Tätigkeit, blickt auf stolze 33 Dienstjahre zurück. Sie nannte die individuelle Atmosphäre der Kindertagespflege als ihre größte Motivation.

Ingrid-Pliske-Winter richtete die Perspektive auf ihren biografischen Hintergrund: „Ein pädagogischer Beruf wurde mir in der DDR verwährt, deshalb verwirklichte ich nach der Wende meinen Traumberuf“, so die Tagesmutter.

Gabriele Wünsch aus Schneeberg berichtete vom weiten Weg bis zur Aufnahme in den Bedarfsplan der Stadt Schneeberg. Nur durch die Unterstützung der Fachberatung des Jugendamtes nach der sächsischen Gebietsreform war das möglich.

Eveyln Krause arbeitet in Radebeul, wo auch das erste „Familienzentrum mit einer Beratungs- und Vermittlungsstelle für Kindertagespflege“ agiert. Sie betonte die Wichtigkeit der Vernetzung in der Kindertagespflege.

Dorothea Fritzsche schilderte ihre Erfahrungen bei der Betreuung von Kindern bis zu sechs Jahren. Mit jeweils zwei wöchentlichen Vorschultagen führt sie die Kinder an die Schulzeit heran. „Dazu hat jedes Kind eine eigene Vorschulmappe, an die das Kind und nicht die Eltern denken sollen“, betont sie. Anlässlich des Jubiläums drehte der MDR einen Beitrag in ihrer Kindertagespflegestelle, der am Vortag ausgestrahlt wurde.



v.l.n.r.: Sebastian Steger (IKS) im Interview mit Hannelore Lachmann (Dresden), Ingrid Pliske-Winter (heute Müncheberg/Brandenburg), Gabriele Wünsch (Schneeberg), Evelyn Krause (Radebeul) und Dorothea Fritzsche (Lichtenstein).  (Foto: Ulrike Czech)

Ines Springer und Tageskind Ben gratulierten den Tagesmüttern mit einem Blumenkorb: „Das Körbchen steht für das Nest, das sie den Kindern für die gute Entwicklung bieten. Die Erde steht für die Nahrung – sie „erden“ die Kinder und ernähren sie.“ Die gute Arbeit sei der Boden, dass die Kinder gut gedeihen können. Lesen Sie den Blog-Eintrag von Ines Springer zum Jubiläum hier.


Ines Springer gratuliert mit Tageskind Ben fünf der dienstältesten Tagesmütter (Fotos: Fotos: Claudia Schmidt, © Ines Springer, Sebastian Steger).

Rückblick: Die Anfänge in der Kindertagespflege aus Sicht der Eltern und Tageskinder

In einem kurzen Interview stellt Ramona Ney, die erste Mutter, die auf Wunsch ihr Kind in der Kindertagespflege betreuen lassen wollte, ihre Erfahrungen vor. Die Individualität und familinnahe Bildung war ihr besonders wichtig. Als Erzieherin hatte sie einen „besonderen“ Blick auf Bildung und Erziehung und war begeistert, wie umfangreich Elterngespräche stattfanden.

Claudia Pfau, das erste Tageskind, ist heute 26 Jahre jung. Sie schätze die Einbindung in die Familie der Tagesmutter sehr und erinnert sich gerne an Lieder, Gedichte und das Kochen. Im Nachgang hat sie Praktika in der Kindertagespflege durchgeführt und war als Au Pair in den USA.
Familie Spaller war mit Sohn Ben gerne bereit, das Jubiläum mit zu feiern. Sie sehen die KTP als optimale Betreuung für ihren Sohn bis zum Schuleintritt.  Famile Spaller wünscht sich, dass es unkomplizierter möglich ist, dass Kinder auf Wunsch bis zum sechsten Lebensjahr in der Kindertagespflege bleiben dürfen.


V.l.n.r.: Mutter Ramone Ney im Gespräch mit Simone Kühnert (IKS), Dorothea Fritzsche mit Tageskind Ben; Thomas, Jessica und Ben Spaller; Simone Kühnert (IKS) im Gespräch mit Claudia Pfau. (Fotos: Sebastian Steger)

Rückblick: Die Anfänge in der KTP aus Sicht der Fachberatung

Die Fachberaterinnen Barbara Plänitz, Marina Schmidt und Christine Schwarzbach stellten ihre Sicht auf die Entwicklungen der letzten 25 Jahre dar. „Hilfreich war zur Anfangszeit, dass wir eine offene und unbefangene Haltung der Kindertagespflege gegenüber hatten“, so die Frauen im Tenor. Die Fachberater(innen), teilweise Quereinsteiger(innen) im Bereich der Beratung, mussten sich das Gebiet erst Schritt für Schritt erarbeiten. So konnte eine gelingende Partnerschaft mit den Tagesmüttern rasch entstehen, die auch Raum zum gemeinsamen Wachsen ließ.
Die ersten Erfahrungen zur Kindertagespflege wurden durch die damalige Vorsitzende des Bundesverbandes für Kindertagespflege, Ursula Trimpin nach Sachsen transportiert. Auch das Ehepaar Kirsche aus Dresden unterstützte in den Anfängen mit viel Engagement und Fachwissen.


v.l.n.r.: Die Fachberaterinnen Marina Schmidt, Barbara Plänitz und Christine Schwarzbach (nicht im Bild) im Interview mit Ulrike Czech (IKS). (Fotos: Sebastian Steger)

Entwicklung – Meilensteine seit 1992 in Sachsen

Lothar Bienst, MdL CDU-Fraktion, nannte die wichtigsten Meilensteine aus politischer Sicht: Die CDU hat in den Änderungen zum SächsKitaG bereits 2001 eingebracht und umgesetzt, dass die Kindertagespflege als gleichrangig anerkannt wird. Das war ein wesentlicher Meilenstein auch in Bezug auf den gleichen Landeszuschuss für jedes Kind. Im Jahr 2005 wurde gesetzlich geregelt, dass gleiche Elternbeiträge erhoben werden. Damit hat die Politik einen Grundstein für die Gleichrangigkeit gelegt, die seinesgleichen in anderen Bundesländern sucht. 2009 brachte die CDU das Projekt der IKS (Informations- und Koordinierungsstelle in Sachsen) auf den Weg und etablierte damit eine wertvolle Fachstelle für die Kindertagespflege in Sachsen.

Bettina Göpfert hob die Broschüre „Qualitätskriterien  der Bildung, Erziehung und Betreuung“ hervor, die von einem kompetenten Fachgremium aus vielen verschiedenen Perspektiven erarbeitet wurde. Einmalig war der Einbezug der Praktiker, Tagesmütter und Tagesväter, die in den Arbeitsgruppen ihre Erfahrungen einbringen konnten. „Ich schätze an der Kindertagespflege in Sachsen, dass sie professionell, individuell und familiennah ist. Eine feste Bezugsperson und kleine Gruppen ermöglichen enge Beziehungen, Wärme und Geborgenheit. Die Tagesmütter und –väter können individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen und ihnen die Zeit geben, die sie brauchen, um die Welt selbst zu entdecken.“

Wolfgang Brinkel führte aus, dass die „Empfehlungen des Landesjugendamtes Sachsen zu Leistungen der Jugendhilfe in Form von Kindertagespflege“ in regelmäßigen Abständen (2003, 2006, 2009) überarbeitet wurden. Aktuell stehen diese wieder auf dem Prüfstand. Er griff zudem die ungelösten Probleme im System Kindertagespflege auf und schätzte das Engagement der Tagesmütter, insbesondere das Durchhalten.  


v.l.n.r.: Lothar Bienst, MdL; Bettina Göpfert, Sächsisches Staatsministerium für Kultus, Wolfgang Brinkel, Landesjugendamt Sachsen. (Fotos: Sebastian Steger)

Die Ministerin nutzte das Jubiläum, um auch dem Landesarbeitskreis Kindertagespflege, der seit Jahren ausschließlich ehrenamtlich tätig ist, zu danken und zu gratulieren. Die stellvertretende Aufsichtsrätin Ute Brückner nahm den Blumenstrauß in Vertretung für den Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Kirsche entgegen. Brückner bedankte sich auf originelle Art und griff die schwierigen Anfänge auf. Die mühevolle Aufbauarbeit ließ Stück für Stück ein gutes Zusammenspiel entstehen.

 
Brunhild Kurth gratuliert Ute Brückner vom Landesarbeitskreis; Ute Brückner ehrt mit einem „Chapeau!“ alle Akteure der Kindertagespflege in Sachsen. (Fotos: Sebastian Steger)

Altes bewahren – Neues wagen:

Nach einer Stärkungspause wurde der Blick in die Zukunft gerichtet. Dafür wurde ganz praktisch erarbeitet, was in der Kindertagespflege erhaltenswert ist und was bis zum Jahr 2025 noch geschafft werden sollte. Mit Hilfe der Virtus-Methode entstanden Bilder aus unterschiedlichsten Gegenständen: Sie sollten die zentralen Gedanken und Visionen auf metaphorischem Wege transportierten. Die Tagesmütter, Tagesväter, Fachberaterinnen und Gäste waren intensiv im Gespräch und in Aktion. Im Ergebnis wurde betont, dass die Familiennähe, die Flexibilität sowie die Individualität unbedingt erhalten bleiben muss. Der Begriff „familiennah“ wurde an diesem Tag aus unterschiedlichen Perspektiven gefüllt. Zu tun gibt es noch immer viel für die Akzeptanz und Wertschätzung. Auch die Rahmenbedingungen, die Gleichrangigkeit, die Vernetzung sowie ein funktionierendes Vertretungssystem gehören zu den Baustellen, die bis 2025 weiterhin bearbeitet werden müssen.
Die Ergebnisse werden dazu von der IKS noch differenziert zusammen gestellt.


 
Tagesmütter und Tagesväter beim Erarbeiten von Ideen und Visionen nach der Virtus-Methode. (Fotos: Sebastian Steger)

Aussagen über den Tag:

„Vielen Dank für diese sehr liebevolle und fachlich interessante Veranstaltung!“
„Als Tagesmutter gehe ich gestärkt und motiviert zurück!“
„Der Elternflyer ist hervorragend!“
„So ein Austausch sollte gern öfter sein. Alle Teilnehmer blickten gleichwertig aufeinander. Diese Veranstaltung hätte ich gerne allen Tagesmüttern und –vätern gegönnt!“
 „Sehr interessant, toll gestaltet, danke ans Team, weiter so!

Einige bildhafte Eindrücke vom Tag:

 

"Das kleine 5x5":
Der 2. Aktionstag für die Kindertagespflege in Sachsen am 24. April 2018

Am 24. April findet der zweite Aktionstag für die Kindertagespflege in Sachsen statt.

- Sie sind Tagesmutter oder Tagesvater und wollen mitmachen? Dann kontaktieren Sie uns! Wir stellen Ihnen gerne Materialien und Hinweise zur Verfügung.

- Sie haben Interesse, in einer Kindertagespflegestelle Gast zu sein? Dann kontaktieren Sie uns! Wir vermitteln Sie gerne weiter.

 

 

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